NERVE

NERVE

Nerve2016 • Abenteuer • Krimi • ThrillerLions Gate Entertainment Group • Regie: Ariel Schulman und Henry Joost • FSK: Ab 12 Jahren freigegeben • Bewertung: 3,75 von 5 Punkten

Venus, bzw. „Vee“, (Emma Roberts) steht kurz davor ans Collage zu gehen und somit ihr Zuhause in New York City zu verlassen. Sie bringt es aber nicht übers Herz, das ihrer Mutter Nancy (Juliette Lewis) zu erzählen, weil sie sich um sie Sorgen macht. Ihre beste Freundin Sydney (Emily Meade) ist da gerade auch keine grosse Hilfe, denn die hat nur noch dieses 24-Stunden Spiel namens „NERVE“ im Kopf. Bei dem Spiel gibt es Watcher und Player. Die Watcher zahlen, um den Playern dabei zuzusehen, wie sie die von den Watchern gestellten Challenges, also Herausforderungen, absolvieren. Nachdem die beiden einen Streit haben, weil Sydney eine mittlerweile ziemlich gute Playerin bei NERVE ist und Vee vorhält, sie werde nie mehr als eine Watcherin sein, beschliesst Vee, sich auch bei NERVE als Playerin anzumelden. Schnell lernt sie Ian (Dave Franco) kennen, der ebenfalls ein Player ist. Die beiden sollen, so wollen es die Watcher, zusammen einige Challenges absolvieren. Schnell werden aber aus den witzigen kleinen Challenges richtig gefährliche Aufgaben, die die beiden nahezu an ihre Grenzen stossen lassen. Und so stellt sich schnell die Frage, können sie dieses Spiel irgendwie aufhalten, bevor noch jemand dabei sein Leben verliert, wie dies vor einem Jahr bereits in Seattle passiert ist?

Nun, die Story wirkt sehr interessant, vor allem aber sehr zeitgemäss. Denn in einem Zeitalter, in dem so viele von ihrem Smartphone abhängig sind, ist ein solches Spiel nicht sehr weit entfernt. Bedenkt man dann noch die Natur des Menschen, kommt das ganze fast von selbst zusammen. Nun aber wieder zurück zum Film. Dieser fängt recht simpel, aber mit Werbung ohne Ende an. Man hätte wohl ganze A4-Seiten mit Strichen füllen können, hätte man jede Platzierung eines Produkts oder einer Marke gezählt. Das war schon mal ein kleiner Minuspunkt zum Anfang.

Die Geschichte an sich ist aber ganz okay, nichts riesiges und manchmal etwas vorausschaubar. Dennoch gibt es gegen Ende eine doch sehr grosse Bedeutung im Film, nämlich der, dass man mit seinen Daten im Netz nicht leichtfertig umgehen sollte, aber das merkt ihr selbst im Zusammenhang mit den Geschehnissen dann noch besser.

Die Schauspieler erledigen ihren Job gut. Im Falle von Emma Roberts als Venus oder besser gesagt Vee (Valentinstag | Scream 4 | Wir sind die Millers) sogar sehr gut. Man glaubt ihr diese erst zurückhaltende, dann aber aufblühende Rolle. Dave Franco (22 Jump Street | Warm Bodies | Now You See Me 2) schafft es, den undurchsichtigen Ian gut zu verkörpern, sodass man ihm zwar trauen will, aber nicht weiss, ob man das auch sollte. Emily Meade (My Soul To Take | Für immer Single? | Money Monster) spielt zwar ihre Rolle als Sydney, aber wirklich gefühlskräftig wirkt sie leider nicht, da hätte ich mir etwas mehr erwartet. Für Miles Heizer, der Vees guten Freund Tommy darstellt, ist NERVE der erste grosse Film, seit er 2007 als 13-jähriger bei „Rails & Ties“ mitspielte und nebenbei in vielen Serien wie „Bones“, „CSI: Miami“, „Ghost Whisperer“ oder „Cold Case“ als Nebendarsteller mitwirkte.

Genervt haben mich die vielen, wirklich unendlich vielen Logikfehler. So wird z.B. beim MacBook von Apple munter auf dem Display (welches nicht über eine Touch-Eingabe verfügt) umhergedrückt, um Eingaben zu bestätigen. Jedes Handy der einzelnen Charaktere ist ein gefühltes Riesentablet, auf welchem man locker eine Ananas oder eine Wassermelone hätte zerschneiden können (klar, es geht auch darum, dass die Inhalte auf diesen Displays für den Zuschauer gut zu erkennen sind, dennoch wirkt das doch viel zu künstlich, soll der Film ja „Echtheit“ rüberbringen). Die Fingerabdrücke der Besitzer solcher Riesentablets werden, so wird es dargestellt, auf dem Display gelesen, was absoluter Schwachsinn ist. Wenn jemand anruft, steht da natürlich dann „Annehmen“ oder „Ablehnen“, aber vielleicht sind den Filmemachern die kleinen Pfeile auf der Seite der Wörter nicht aufgefallen, die symbolisieren, dass, um die Aktion durchzuführen, der Finger über das Display wischen muss. Dies passiert aber nur in so ungefähr einem von zwölf Fällen.

Das Regieduo Ariel Schulman und Henry Joost, welche beide zusammen schon bei Catfish und Paranormal Activity 3 und 4 auf dem Regiestuhl Platz genommen haben, inszeniert hier einen doch sehr spannenden Krimi-Thriller, der, wenn man den Kopf etwas abstellt und sich in den Film fallen lässt, richtig fesseln kann. Die Effekte wirken, wenn überhaupt eingesetzt, nur stellenweise überzeugend, oft merkt man leider, dass z.B. der Bildschirm des Handys (oder eben des Riesentablets) per Computer im nachhinein hinzugefügt wurde. Der Soundtrack ist zwar stellenweise überzeugend und greift gut in die Szenen ein, oft ist er aber leider nur Nebensache und hätte für mich auch ein paar mal durch einfaches Rauschen ersetzt werden können.

Betrachtet man das ganze Werk an sich, stellt sich dennoch ein eher positives Ergebnis ein, denn NERVE packt die Zuschauer an einem wunden Punkt: Sicherheit im Internet. So fühlt sich irgendwie jeder angesprochen und nach dem Film gehen zahlreiche Diskussionen los, ob das auch bei uns und mit uns möglich wäre oder nicht. So gesehen hat der Film für mich doch sehr sein Ziel erreicht, um auf solche Sachen aufmerksam zu machen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass NERVE ein unterhaltsamer Krimi-Thriller ist, welcher ohne die vielen Logikfehler sicher noch stärker hätte sein können.

Kleiner Tipp am Rande: Den Trailer unten kannst du dir anschauen. Den längeren Trailer, der anstatt 1:40 dann 2:28 dauert, verrät meiner Meinung nach zu viel über den Film.

Trailer:

© Bild & Trailer: Lions Gate Entertainment Group

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