Kategorie: Drama

Greatest Showman

Greatest Showman

2017 • Musik • Biografie • Drama • 20th Century Fox • Regie: Michael Gracey • FSK ab 6 Jahren freigegeben • Bewertung: 5 von 5 Punkten

Ein Film über einen Schausteller und Zirkusdirektor im 19. Jahrhundert? Ich muss ehrlich sein, ich habe tatsächlich sehr wenig von diesem Film erwartet, habe die Trailer nie richtig auf mich wirken lassen. Wir begleiten P.T. Barnum (Hugh Jackman) in diesem Film dabei, wie er zu einem Pionier der Zirkusketten und dem wahrhaft grössten Showman wird. Für alle die sich bis hierhin fragen: Ja, das ist ein Musicalfilm. Sprich: Die Charaktere werden anfangen zu singen. Es gibt Filme, die dies mühsam übertreiben, und dann gibt es Filme wie Greatest Showman, bei denen es einfach so sein muss. Würde nicht gesungen werden, der Film wäre nur halb so gut geworden. Ich kann an Greatest Showman wahrlich kein schlechtes Haar lassen. Der Cast ist wundervoll geworden – Hugh Jackman ist schlichtweg eine Wucht, seine Leidenschaft für diesen Film ist förmlich greifbar. Auch Zac Efron, den wir hier nach High School Musical (endlich?) wieder singen hören, schlüpft in seine Rolle als hätte er nie jemand anderes dargestellt als den Erben Phillip Carlyle. Michelle Williams geht als Charity Barnum zwar etwas unter, dies tut aber der Story zum Glück nicht weh. Zendaya als Anne Wheeler ist mysteriös, unnahbar und dies gibt ihrem Charakter das gewisse Etwas. Und dann gibt es da noch Keala Settle, die als bärtige Lady erst das Publikum etwas verdutzten lässt. Als sie aber beginnt zu singen, hatte ich das gefühlt sie öffnet ihr Herz den Zuschauern. Sie wirkt so zerbrechlich und gleichzeitig so stark, es ist faszinierend wie Settle diesen Balanceakt ausführen kann.

Und dann die Kostüme. Mensch, die Kostümdesignerinnen und Maskenbildner haben atemberaubendes geschaffen. Übertroffen werden diese jedoch ganz klar von der Gruppe von Menschen, welche an diesem Film mitgewirkt hat: Den Songwriterinnen und Komponisten. Ich habe in letzter Zeit selten einen Film erlebt, der so von der Musik lebt, wie es „The Greatest Showman“ tut. Nahezu jeder Song sprudelt nur so vor Zuversicht und positiver Energie. Es ist beeindruckend, wie ein Soundtrack schon fast jeden einzelnen Zuschauer nach nur wenigen Takten zum mit wippen und mit Lippen-bewegen hinreisst. Der Song „This is me“, welcher Keala Settles bärtige Lady nochmals in den Fokus rückt, ist dabei ganz klar das Aushängeschild des Films, und dies absolut zurecht. Hollywood hat endlich wieder einmal eine originale Story, über die ich euch, wie mir gerade auffällt, gar nicht so viel gesagt habe. Aber nach meiner Kritik hier sollter ihr euch den Film nun ansehen, und dann erfahrt ihr die Geschichte ja sowieso. Also, geht ins Kino, lasst euch beeindrucken und macht euch schon mal bereit, nach dem Film nach dem Soundtrack zu suchen.

Trailer:

© Bild & Trailer: 20th Century Fox

ES

ES

2017 • HorrorThrillerDrama • Warner Bros. Pictures • Regie: Andy Muschietti • FSK: Ab 16 Jahren freigegeben • Bewertung: 4,5 von 5 Punkten

Die Verfilmung eines Stephen King Romans an sich ist schon eine Herkulesaufgabe (siehe Der Dunkle Turm), wenn es sich aber dann noch um die Neuauflage eines Filmklassikers der 90er Jahre handelt, wird die Herausforderung für viele praktisch als unmöglich angesehen. Ich muss vorweg nehmen, ich habe den Originalfilm leider nicht gesehen. Ich kenne aber die Geschichte. Ein dämonischer Clown entführt Kinder um sie zu fressen und von ihnen zu leben. Alles was der Clown erschafft, um so einladend wie möglich zu erscheinen, können nur die Kinder sehen, die Eltern glauben ihnen die abenteuerlichen Geschichten nicht und daraufhin entscheiden sich diese, ihr Schicksal selbst in die Hand zunehmen. Ich habe mir eigentlich nicht viel von diesem Film erwartet (mehrheitlich, um nicht enttäuscht zu werden), und wurde wirklich sehr positiv überrascht. Ja, Andy Muschietti (Mama) hat ganze Arbeit geleistet. Die gesamte Atmosphäre des Films ist  absolut düster, die paar Witze und Gags, welche hie und da gestreut werden, lockern zwar die Stimmung etwas auf, nur um gleich danach nur noch schockierender zu werden, wirklich überwältigend. Man hat in jeder Minute das Gefühl, das gleich irgendetwas schlimmes passiert. Dazu beigetragen haben natürlich auch die Schauspieler, welche, ausser Bill Skarsgård als Pennywise der Clown, alle zwischen 15 und 17 Jahre alt sind. Nicht weil es für Kinder und Jugendliche sonst schon schwer genug ist, in einem Horrorfilm mitzuspielen, aber die Aufgabe dann auch noch so gut zu tun wie die Protagonisten Jaeden Lieberher als Bill, Finn Wolfhard als Richie, Sophia Lillis als Beverly, Wyatt Oleff als Stan, Jeremy Ray Taylor  als Ben, Chosen Jacobs als Mike, Jack Dylan Grazer als Eddie und Nicholas Hamilton als Henry, das hat mich total entzückt. Ich kann an keiner Rolle ein schlechtes Haar lassen, alle wirken authentisch und überzeugend, sowohl Mimik als auch Gestik der Schauspieler stimmen auf den Punkt, das ist bemerkenswert für ihr Alter. Hier muss man auch den Verantwortlichen für das Casting ein Kränzchen winden, sie haben einen grandiosen Job gemacht. Auch optisch vermag der Film zu erstaunen, so ist sowohl Makeup und auch Kostümdesign bemerkenswert, die CGI spielt aber eine ebenso grosse Rolle, Das Studio Warner Bros. hat da zum Glück offenbar nicht gespart. ES überzeugt mit Kings Kultgeschichte, welche auch Sozialkritische Aspekte anspricht, nahezu auf der gesamten Linie. Ein Gruselspass, nicht nur für Liebhaber des Klassikers, sondern auch für Nichtkenner des Originals.

Trailer:

© Bild & Trailer: Warner Bros. Pictures

Dunkirk

Dunkirk

2017 • Drama • Action • Krieg • Historie • Warner Bros. Pictures • Regie: Christopher Nolan • FSK: Ab 12 Jahren freigegeben •  Bewertung: 4,75 von 5 Punkten

400’000 Armeeangehörige der Alliierten sitzen während dem zweiten Weltkrieg in der französischen Hafenstadt Dünkirchen fest, umzingelt von der deutschen Armee warten sie auf die Evakuierung durch Schiffe aus Grossbritannien. Hier seht ihr – wieder einmal – bereits die inkonsequenz der Namensgebung solcher Filme. Während auf französisch der Film mit „Dunkerque“ den original Namen der Hafenstadt bekommen hat, welche auf Englisch „Dunkirk“ heisst, verstehe ich nicht, wieso man ihn im deutschsprachigen Raum nicht „Dünkirchen“ nennt, dies würde deutlich mehr Sinn ergeben. Aber genug davon. Christopher Nolan, Regisseur der „The Dark Knight“-Trilogie, Interstellar und Inception, inszeniert mit ‚Dunkirk‘ ein packendes Kriegsdrama. Die Zuschauer begleiten verschiedene Orte, Soldaten und Zivilisten, welche bei der Schlacht um Dünkirchen irgendwie mitwirkten. Nolan verzichtet in dieser Historie auf die aktuell grössten Namen Hollywoods, dies ist aber definitiv kein Negativpunkt. Die Darsteller wie Fionn Whitehead, Mark Rylance, Kenneth Branagh, Tom Hardy oder – zu meiner Verwunderung – auch Ex-One Direction Star Harry Styles zeigen absolute Höchstleistungen in Mimik und Gestik. Viele Unterhaltungen zwischen den Charakteren gibt es in diesem Film jedoch nicht wirklich, braucht es aber auch nicht. Denn die düstere und absolut beklemmende Stimmung werden alleine schon durch die Musik des Hollywood-Stars Hans Zimmer und die Ohrenbetäubenden Schüsse, Raketen und Bomben eindrücklich aufrechterhalten, sodass ich nicht ein einziges Mal das Gefühl hatte im Kino zu sitzen und dies ist meiner Meinung nach eines der wichtigsten Gefühle, wenn man ins Kino geht. Dunkirk braucht nicht unmengen an Kunstblut oder explizite Gewaltdarstellung, wie man es sich von anderen Kriegsfilmen gewohnt ist. Damit kann auf eine FSK-16 Freigabe verzichtet werden und der Film auf FSK-12 gebracht werden. Dies ist nicht – wie von einigen Kritikern angedeutet – ein Negativpunkt, sondern für mich ein klarer Pluspunkt. So sieht man, dass der zweite Weltkrieg zwar blutig war, aber es um viel mehr ging. Die Männer kehrten nicht nur mit blutenden Wunden zurück, sondern auch mit Traumas, und grossen psychischen Problemen.

Trailer:

© Bild & Trailer: Warner Bros. Pictures

Girl on the Train

Girl on the Train

Girl on the Train2016 • Thriller • DramaConstantin FilmRegie: Tate Taylor • FSK: Ab 16 Jahren freigegeben • Bewertung: 4 von 5 Punkten

Rachel Watson (Emily Blunt) ist geschieden, Alkoholikerin und fährt jeden Tag mit dem Zug nach Manhattan zur Arbeit. Dabei fährt sie immer an ihrem ehemaligen Haus vorbei und an dem Haus, in dem sie gerne gelebt hätte. Mittlerweile lebt aber in ihrem ehemaligen Haus ihr Exmann Tom (Justin Theroux) mit seiner neuen Frau Anna (Rebecca Ferguson) und ihrem gemeinsamen Kind. Und in ihrem Traumhaus lebt ein Paar, welches sie als die perfekte Liebe ansieht. Jeden Tag sieht sie die beiden Häuser. Doch dann sieht sie vom Zug aus etwas beängstigendes und das nächste voran sie sich erinnern kann, sind die blauen Flecken und Verletzungen an ihrem Körper und der schreckliche Kater, mit dem sie am nächsten Morgen aufwacht. Daraufhin geht die Meldung durch die Nachrichten, dass Megan (Haley Bennett), die Frau aus ihrem Traumhaus, welche die in ihren Augen perfekte Beziehung geführt hat, vermisst wird. Rachel macht sich danach auf die Suche nicht nur nach der vermissten Frau, sondern auch nach ihren Erinnerungen. Ein Gefühl sagt ihr, dass etwas schreckliches in dieser Nacht geschehen sein muss und sie will um jeden Preis herausfinden, was das war.

The Girl on the Train startet ruhig, sehr ruhig sogar. Der Beginn des Films besteht hauptsächlich aus Rachel, welche in dem Zug fährt und von der wir Gedanken (oder Monologe?) aus dem Off hören. Eine eigenwillige Art einen Film zu eröffnen. Dies zieht sich lange hin, für einige Zuschauer wohl zu lange, denn das Getuschel hie und da im Kinosaal war nicht zu überhören. Aber wer sich auf den Film einlässt, wie ich das gemacht habe, entdeckt einen sehr emotionalen und tiefgründigen Start eines Thrillers, der mit seinen Zuschauern noch Achterbahn fahren wird. Ich habe mich schnell auf die spezielle, fast schon künstlerische Art dieses Dramas eingestellt und war augenblicklich in der Geschichte drin.

Auf Humor muss der Zuschauer aber dennoch nicht verzichten, auch wenn dieser hier etwas dezenter platziert ist und nicht durch blöde Sprüche, sondern durch kluge Dialoge zustande kommt. Einen roten Faden sucht man in der Storyline übrigens vergeblich, denn habe selbst ich nicht gefunden. Girl on the Train versteht es nämlich, mit diversen Handlungssprüngen in die Vergangenheit und Ortswechseln die Zuschauer echt zu fordern und sie somit an die Leinwand regelrecht fest zu kleben. Denn wer nicht aufmerksam der Handlung folgt, gerät definitiv ins Straucheln und kommt so etwas vom geniessen eines Dramas zum dramamässigen Suchen nach dem Sinn der Story. Lassen wir die Geschichtssprünge mal aussen vor ist zu erwähnen, dass der Film bis etwa in die Häfte bzw. zwei Drittel nicht viel her gibt leider. Klar gibt es einige fesselnde Szenen, aber viel Spannung vermag der Film bis dahin nicht aufbauen. Bis dann die Finalszenen näher rücken und der Spannungsbogen gespannt wird, und gespannt wird, und gespannt wird bis der Zuschauer sich voller Schreck die Hände vors Gesicht schlägt.

Grosses Lob von mir an das Kamerateam, welches in meinen Augen einen hervorragenden Job gemacht hat und die Szenen perfekt aufgenommen hat, mit den Tiefen und Nähen der Landschaft und der Schauspieler förmlich gespielt hat. Emily Blunt (The Huntsman & the Ice Queen | Into The Woods | Der Teufel trägt Prada) als Rachel Watson ist in meinen Augen eine absolute Traumbesetzung. Sie hat es geschafft die Emotionen ihres Charakters punkt genau wiederzuspiegeln und trotzdem für den Zuschauer etwas undurchsichtig zu bleiben, eine bemerkenswerte Leistung. Haley Bennett (Mitten ins Herz | Marley & Ich | The Hole) verkörpert Megan zwar überzeugend, dennoch liess mich der Gedanke nicht los, dass sie so wirkte als ob sie diese Rolle mehr nerve als dass sie Spass daran hatte, Megan zu spielen. Rebecca Ferguson (Drowning Ghost | Hercules | Mission Impossible: 5) schafft es Anna korrekt darzustellen, war mir persönlich aber zu leblos, mit zu wenig Gefühl und Ausdruck im Gesicht, was etwas schade war. Justin Theroux (Wanderlust | Miami Vice | American Psycho) als Tom Watson und Luke Evans (Kampf der Titanen | Die drei Musketiere | Der Hobbit) als Scott, Megans Mann, hingegen schaffen er ihre Charaktere aufleben zu lassen, sei das mit Liebenswürdigkeit oder Boshaftigkeit, ich habe ihnen die Rollen abgekauft. Regisseur Tate Taylor, welcher sich bereits für das Drama „The Help“ verantwortlich zeichnete, schafft es auch hier wieder ein Drama zu inszenieren, welches als Thriller getarnt und mit einer doch etwas schwierigen Story dennoch zu unterhalten weiss.

Girl on the Train braucht einige Zeit bis Spannung aufgebaut wird, aber die knappen 113 Minuten wurden fast schon künstlerisch inszeniert und wer sich darauf einlässt erlebt einen Thriller, den es so wohl kein zweites Mal geben wird.

Video-Filmcheck:

Seid gewarnt! Ich empfehle euch, wenn möglich, den Trailer NICHT anzusehen, falls ihr euch den Film anschauen wollt. Es werden meiner Meinung nach zu viele Szenen gezeigt, die die Handlung des Films zumindest andeuten können! Wer ihn trotzdem sehen möchte, für den habe ich ihn unten verlinkt.

Trailer:

© Bild und Trailer: Constantin Film

Money Monster

Money Monster

2016 • Krimi • Drama • Thriller • Sony Pictures Entertainment Group • Regie: Jodie Foster • FSK: Ab 12 Jahren freigegeben • Bewertung: 4,25 von 5 Punkten

Lee Gates (George Clooney) ist ein waschechter Finanzguru, jedenfalls wenn es um seine Sendung „Money Monster“ im Fernsehen geht. Die Börsentipps, welche er während der Sendung immer wieder abgibt, basieren nicht immer nur auf der Qualität der Anlage, sondern sollen vor allem auch eine gute Show abgeben. Das hat ihm nicht nur Fans gebracht, wie er plötzlich selbst zuspüren bekommt. Denn Kyle (Jack O’Connell) hat auf einen Tipp von Lee hin seine gesamten Ersparnisse an der Börse verzockt und steht jetzt mit nichts mehr da. Er ist so verzweifelt, dass er sich bewaffnet auf das Set der Show Money Monster schleicht und Lee Gates als Geisel nimmt. Er droth damit den Moderator umzubringen, wenn die Sendung nicht weiter ausgestrahlt wird und er bis Börsenschluss seinen Verlust wieder zurück hat. Nun liegt es in den Händen der Anleger das Leben des Fernsehstars, seiner Crew und der Regisseurin Nancy Fenn (Julia Roberts), welche versucht die Situation zu beruhigen, zu retten, während die Geiselnahme immer mehr zum Medienspektakel wird, denn mittlerweile sieht beinahe die gesamte Welt zu.

Jodie Foster hat sich nicht nur als Schauspielerin (Das Schweigen der Lämmer | Panic Room | Der Gott des Gemetzels) einen Namen gemacht, sondern zeigt auch immer mehr als Produzentin (Die Fremde in dir) und jetzt auch als Regisseurin, was für ein Multitalent sie ist. Mit Money Monster gelingt ihr ein spannender Krimi-Thriller, welcher sich in der schwierigen und unübersichtlichen Welt der Finanzen und der Börse abspielt. Ich war mir nicht sicher, ob mir dieser Film gefallen würde, da ich mich mit der Börse und mit Aktien eigentlich so gar nicht auskenne, dennoch war die Mischung aus Julia Roberts, George Clooney und Jodie Foster zu verlockend, als dass ich es nicht versuchen würde.

Die Geschichte ist schnell erzählt, ein Typ, Kyle, verzockt an der Börse wegen  einem Tipp eines TV-Moderator sein gesamtes Geld und möchte jetzt eine Erklärung, Entschuldigung oder irgendwie eine Wiedergutmachung erreichen. Die Verkörperung dieses Typs, welche von Jack O’Connell (300: Rise of an Empire | Unbroken) vorgenommen wird, ist meiner Meinung nach wunderbar besetzt. Trotz der Tatsache, dass Kyle eigentlich ja der mit der Waffe ist, wird der Charakter im Verlauf des Films sehr sympatisch und man kann seine Argumente schnell aufnehmen und verstehen. Aber ebenso authentisch wirkt schnell auch Lee Gates, welcher von George Clooney (Ocean’s Eleven | A World Beyond | Gravity) dargestellt wird. So gesehen wirkt er aber nicht sympatisch, sondern egoistisch und eingebildet, also genau so wie man sich einen TV-Star auch vorstellt. Julia Roberts (Pretty Woman | Hook | Spieglein, Spieglein) ist nicht nur als Regisseurin der Sendung Nancy Fenn der Ruhepol der Geiselnahme, sondern auch des ganzem Filmes. So setzt sie immer wieder kleine Akzente, in denen sie es schafft den Film und die Schauspieler so zu beruhigen, sodass sich die Zuschauer noch etwas Zeit nehmen können, alles auf sich wirken zu lassen.

Meine Sorge, dass sich meine Unkenntnis und das kleine Desinteresse für die Börsen- und Aktienwelt schlecht auf den Film auswirken könnte, hat sich zum Glück nicht bestätigt. Denn während des Films führen die Zuschauer viele interessante Dialoge durch das Geschehen und erklären gleichzeitig etwas über die Börse, wofür Unwissende wie ich sehr dankbar sind. Jodie Foster spielt hier mit den Vorurteilen und Vorstellungen der Zuschauer, in welcher Sie die Rolle von Gut und Böse immer wieder hin und her springen lässt.

Gut aufgefallen ist mir auch das Fehlen von viel Hintergrundmusik, denn der Fokus liegt hier ganz klar auf den Schauspielern, so war die Spannung immer sehr deutlich zu spüren und zog sich durch fast die gesamten knapp 100 Minuten durch, ohne durch eine grosse Songauswahl gestört zu werden.

Die vielen mittelmässigen oder gar schlechten Kritiken kann ich nicht wirklich nachvollziehen, mich hat der Film in seinem Gesamtbild sehr überzeugt und überraschend gut unterhalten.

Überzeugender Krimi-Thriller, der von Beginn weg bis zum Schluss mit Spannung aufwarten kann.

Trailer:

© Bild und Trailer: Sony Pictures Entertainment Group

 

The Huntsman & The Ice Queen

The Huntsman & The Ice Queen

ActionAbenteuerDramaFantasy von 2016 aus dem Hause der Universal Pictures.

The Huntsman & The Ice Queen

Regie: Cedric Nicolas-Troyan

FSK: Ab 12 Jahren freigegeben.

Story & Analyse:

Der Film beginnt zeitlich gesehen vor den Ereignissen des ersten Teils „Snow White & The Huntsman“, überspringt dann aber den Zeitraum von Snow White und spielt dann wieder nach diesen Geschehnissen, so gesehen ist The Huntsman & The Ice Queen Prequel (Vorgeschichte) und Sequel (Fortsetzungsgeschichte) in einem. Prinzessin Freya (Emily Blunt) wird das Herz gebrochen und so entfesselt sich ihre magische Macht über das Eis. Sie verläst ihre Schwester Ravenna (Charlize Theron) und zieht los, um ihr eigenes Königreich aufzubauen. Sie beginnt damit Kinder zu Soldaten aufzuziehen und auszubilden, und macht aus ihnen ihre persönliche Legion, die Huntsman. Doch Eric (Chris Hemsworth) und Sarah (Jessica Chastain) stellen sich gegen das einzige Gesetz, welches Freya in ihrem Königreich hat: Liebe ist verboten. Und das lässt Freys Eric und Sarah sehr deutlich spüren. Eric kämpft danach mit Snow White gegen Ravenna und besiegt sie. Doch der Spiegel, der Ravenna so viel Macht verlieh, beherbergt etwas böses und wenn Freya diesen Spiegel in die Hände bekommen würde, dann wäre das gesamte Land in Gefahr.

Wie schon beim Ersten Teil des Films präsentiert sich Chris Hemsworth (Thor, Marvel’s The Avengers, Snow White & The Huntsman) wieder als Huntsman Eric und Charlize Theron (Hancock, Prometheus – Dunkle Zeichen, Snow White & The Huntsman) verkörpert die böse Hexe Ravenna. Hemsworth scheint aber in seiner Rolle nicht so richtig aufzugehen. Er spielt überzeugend, aber gibt seinem Charakter keine Tiefe, was für den Zuschauer kalt wirkt. Oscar-Preisträgerin Theron dagegen ist die geborene böse Hexe, die man am liebsten durch die Kinoleinwand anbrüllen will, dass sie endlich verschwinden soll. Die Neuzugänge wie Emily Blunt (Der Teufel trägt Prada, Der Plan, Into The Woods) als Ice Queen Freya oder Jessica Chastain (The Tree of Life, Zero Dark Thirty, Interstellar, Der Marsianer) als Huntsman Sarah überzeugen gut, vor allem Blunt verkörpert die eigentlich herzensgute, aber eiskalte Ice Queen sehr authentisch. Nennenswert sind auch die Rollen von Nick Frost und Rob Brydon (Nion & Gryff), welche den Film aufheitern und ihm eine etwas lockere Atmosphäre verleihen.

Die optischen Eindrücke von The Huntsman & The Ice Queen sind gegenüber des ersten Films deutlich verbessert worden, die Animationen und Spezialeffekte überzeugen und wirken realistisch, teils fast schon künstlerisch. Die Geschichte ist interessant, gibt aber im Grunde genommen nicht viel her, was erzählt werden muss. So gibt es hie und da einige Dialoge, welche überflüssig erscheinen und wohl nur dazu da sind, die knapp zwei Stunden Filmmaterial zusammen zu bekommen. Trotz dieses Kritikpunktes muss ich gestehen, dass mich der Film gut unterhalten hat. Er ist nicht besonders einfallsreich oder speziell innovativ, enthält aber alles was es für ordentliche Unterhaltung braucht: Etwas Romantik, actionreiche Kampfszenen, gute Spezialeffekte, ein bisschen Comedy und stimmungsvolle Musik. Letztere wurde komponiert von James Newton Howard, welcher u.A. schon The Sixth Sense, The Dark Knight oder Die Tribute von Panem – Mockingjay mit seiner wunderbaren Musik ausstattete.

Verwirrend war die Vorgehensweise des Filmstudios, eine Mischung aus Prequel und Sequel zu produzieren. Nach dem Erfolg von Snow White & The Huntsman sollte eigentlich auch (logischer Weise, wie in der Filmindustrie üblich) Teil 2 folgen, der Skandal um die Affäre zwischen Regisseur Rupert Sanders und Snow White Darstellerin Kristen Stewart brachte diese Idee jedoch zum Erliegen. Sanders verliess das Fortsetzungs-Projekt und kurze Zeit später verkündete auch Kristen Stewart, dass sie nicht mehr als Snow White zurückkehren würde. Stattdessen beschloss Universal kurzerhand, ein Prequel zu drehen, damit Hemsworth und Theron ihre Rollen behalten konnten. Als Regisseur wurde danach Cedric Nicolas-Troyan verpflichtet, der damit sein Regie-Debut gab. Aber Nicolas-Troyan war bereits als Second Unit Director an Snow White & The Huntsman und Maleficent – Die dunkle Fee beteiligt.

Fazit: Ein gut unterhaltender Fantasy-Film, mit etwas einfältiger Story aber überzeugenden Schauspielern.

Bewertung: 6.5 von 10 Punkten

Trailer:

© Bild und Trailer: Universal Pictures

The Jungle Book

The Jungle Book

AbenteuerDramaFantasyFamilie von 2016 aus dem Hause der Walt Disney Pictures.

The Jungle Book

Regie: Jon Favreau

FSK: Ab 6 Jahren freigegeben.

Story & Analyse

Disney legt seinen Klassiker „Das Dschungelbuch“ neu auf und verpasst ihm einen realistischen Look. Die Geschichte handelt vom kleinen Findelkind Mogli, der von Panther Baghira im Dschungel gefunden und in ein Wolfsrudel gebracht wird. Der Anführer des Rudels, Akela, nimmt ihn ins Rudel auf und die Wölfin Raksha zieht den jungen Mogli wie ihr eigenes Junges gross. Bald aber schon erfährt der Tiger Shir Khan von dem Menschenjungen und ist versessen darauf, Mogli zu töten. Um ihn zu beschützen, will Baghira ihn ins Menschendorf bringen. Aber Mogli denkt nicht daran, den Dschungel zu verlassen und findet mit Bär Balu einen Freund, mit dem er im Dschungel bleiben will. Aber bald darauf wird Mogli von den Affen des Königs King Louie entführt, der von Mogli das Geheimnis des Feuers erfahren will. Baghira und Balu setzen alles daran, Mogli zu retten und Shir Khan die Stirn zu bieten.

Der junge Neel Sethi musste in der Neuauflage des Klassikers von Wolfgang Reithermanns Zeichentrickfilm von 1967 viel Fantasie beweisen. Die Dreharbeiten fanden für ihn nämlich fast ausschliesslich in sogenannten „Greenrooms“ statt, sprich, der junge Schauspieler musste sich alles vorstellen, denn sowohl die Umgebung, als auch seine tierischen Freunde wurden später mit Hilfe von Computertechnik (CGI = Computer Generated Image) hinein animiert. Dafür steht Sethi überzeugend da und macht eine gute, schauspielerische Leistung. Die Tiere erhalten ihre Stimmen in der von Joachim Krol (Panther Baghira), Armin Rhode (Bär Balu), Ben Becker (Tiger Shir Khan), Jessica Schwarz (Schlange Kaa), Christian Berkel (Affe King Louie), Heike Makatsch (Wölfin Raksha) und Justus von Dohnányi (Wolf Akela). In der englischen Version verleihen u.A. Scarlett Johansson (Schlange Kaa), Idris Elba (Tiger Shir Khan) Bill Murray (Bär Balu) Lupita Nyong’o (Wölfin Raksha) Christopher Walken (Affe King Louie) und Ben Kingsley (Panther Baghira) den Charaktern ihre Stimme.

Die optische Umsetzung des Dschungels und der Landschaftsaufnahmen ist mehr als gelungen. Atemberaubend wird der Zuschauer in den indischen Dschungel gerissen und folgt den realistischen Tieren durch das Dickicht der Schlingpflanzen. Technisch kann man also Regisseur Jon Favreau, der bereits für Iron Man, Iron Man 2 und Cowboys & Aliens auf dem Regiestuhl platz nahm, nichts vorwerfen. Die geschichtliche Adaption von Rudyard Kiplings Erzählungen von 1894 lässt aber dennoch einiges zu wünschen übrig. So werden viele Fans des Disney Meisterwerks das Fehlen der vier Geier Buzzy, Dizzy, Ziggy und Flaps und vor allem die fehlende Interaktion mit den Elefanten als nicht original getreu interpretieren. So wurden auch viele Songs abgeändert, neu aufgelegt oder gar ganz gestrichen, was doch die Nostalgie des Films irgendwie schmälert. Allgemein ist „The Jungle Book“ erwachsener, reifer und dunkler geworden. Es scheint fast, als ob der Film mit seinen damaligen Zuschauern mitgewachsen wäre. Nach eigener Aussage der Macher wollten sie eine „ganz andere“ Version der berühmten Vorlage Kiplings verwirklichen und dies ist ihnen eindrucksvoll gelungen. Im Gegensatz zu den unzähligen anderen Verfilmungen, Neuauflagen und Fortsetzungen hat Jon Favreaus Film das Zeug dazu, nicht zu einem Flop zu werden.

Fazit: Die Neuauflage des Disney Klassikers wurde erwachsener, realistischer und deutlich düsterer, verpasst es aber etwas an das Original heranzukommen.

Bewertung: 7.5 von 10 Punkten

Trailer:

© Bild und Trailer: Walt Disney Pictures

Die Bestimmung – Allegiant

Die Bestimmung – Allegiant

Science-FictionActionDramaAbenteuer von 2015 aus dem Hause der Lions Gate Entertainment Group.

Die Bestimmung - Allegiant

Story: Das alte Regierungssystem Chicagos mit seiner strengen Aufteilung der Bevölkerung in Fraktionen ist zusammengebrochen, Evelyn (Naomi Watts), die Anführerin der Fraktionslosen, hat die Herrschaft an sich gerissen. Doch mit der Auflösung der Gesellschaftsordnung verschwinden keinesfalls die alten Konflikte. Besonders zwischen denen, die schon immer zu den Fraktionslosen zählten, und den Handlagern des alten Unterdrückungsapparats herrschen Feindseligkeit und Rachegelüste. Manche kämpfen sogar dafür, das alte System wiederherzustellen. Derweil weiß Tris (Shailene Woodley), dass die Zivilisation nicht hinter den Mauern ihrer Heimatstadt endet. Gemeinsam mit ihrem Freund Four (Theo James), ihrem Bruder Caleb (Ansel Elgort), ihren Komplizinnen Christina (Zoe Kravitz) und Tori (Maggie Q) sowie dem unzuverlässigen Peter (Miles Teller) will sie die Grenzanlagen überwinden und aus der Stadt fliehen …

Regie: Robert Schwentke

Analyse: Nach Insurgent führt auch bei Allegiant  wieder Robert Schwentke (R.E.D., Flightplan, R.I.P.D.) Regie und insziniert so den ersten Teil des abschliessenden Buches der „Bestimmung“-Trilogie. Ja, richtig gelesen, nach Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Twilight und Die Tribute von Panem – Mockingjay erleidet Die Bestimmung – Allegiant das selbe tragische Schicksal und wird für mehr Platz für die Story (und für mehr Umsatz an den Kinokassen) in zwei Teile aufgeteilt. Das grosse Finale von „Die Bestimmung“ wird also noch ein Jahr auf sich warten lassen, der Titel soll aber „Die Bestimmung – Ascendant“ heissen.

Die Stimmung in dem Film ist düster, fast durchwegs, auch wenn der eine oder andere Gag die Laune etwas aufhellt. Man merkt schnell, durch das halbieren der Story auf zwei vollständige Filme, dass dem Filmstudio einiges an Zeit blieb um diesen Film fertig zu stellen. Das zeigt sich danach für die Zuschauer in etwas langatmigen Szenen die zum Teil langweilig und eintönig wirken, wodurch die Atmosphäre des Films etwas einbricht. Weiterhin gibt es einige Logikfehler in der Geschichte und der Darstellung, die es mir verunmöglichen, den Film höher zu bewerten. Viele Aktionen sind vorhersehbar und wirken einfallslos, was dem Film an Glaubhaftigkeit verlieren lässt.

Optisch gesehen ist Allegiant grandios. Viele kleine Details, die Animationen und Spezialeffekte wirken authentisch und überzeugend. Die Landschaft ist interessant und wirft den Zuschauern viele Fragen auf über die Vergangenheit der Erde. Allgemein gibt es oft Situationen, in denen Fragen auftauchen, die dann bis zum Ende unbeantwortet bleiben. So kann der Zuschauer nur darauf hoffen, dass in Ascendant dann endlich alle Fragen beantwortet und die Geschichte komplementiert wird.

Erfreulich war die Abwendung der schon fast lächerlich häufigen Darstellung von Shailene Woodleys (The Descendants, Die Bestimmung – Divergent, Das Schicksal ist ein mieser Verräter) Charakter Tris in Insurgent und hin zum grösseren Fokus auf Theo James‘ (Underworld: Awakening, Die Bestimmung – Divergent) Charakter Four, der dem Film etwas mehr stärke verleiht. Zoë Kravitz (Mad Max: Fury Road, X-Men: Erste Entscheidung) als Christina und Ansel Elgort (Das Schicksal ist ein mieser Verräter, Die Bestimmung – Divergent) als Tris‘ Bruder Caleb treten überzeugender auf als in den Filmen zuvor, Miles Teller’s (The Spectacular Now, Whiplash, Für immer Single?) Charakter Peter hingegen geht einem immer mehr auf die Nerven, das bringt er aber so gesehen gut rüber.

Fazit: Düstere Fortsetzung der „Bestimmung“-Serie mit überzeugenden Spezialeffekten, aber etwas langatmigen Story.

Bewertung: 7.5 von 10 Punkten

FSK: Ab 12 Jahren freigegeben.

Trailer:

© Bild und Trailer: Lions Gate Entertainment Group

Raum

Raum

Drama von 2015 aus dem Hause der Universal Pictures.

Raum

Story: Der aufgeweckte kleine Jack (Jacob Tremblay) wird wie andere Jungen seines Alters von seiner fürsorglichen Mutter (Brie Larson) geliebt und behütet. Ma wendet viel Zeit für den Fünfjährigen auf, liest ihm vor, spielt mit ihm und verbringt nahezu jeden Augenblick ihres Lebens mit ihrem Sohn. Doch ihr bleibt auch kaum etwas anderes übrig, da das Leben der Familie alles andere als normal ist: Denn die beiden sind in einer winzig kleinen, fensterlosen Hütte eingesperrt. Ma hat ihre Phantasie spielen lassen, um Jack die Wahrheit, dass sie von der Außenwelt abgeschnitten sind, zu verheimlichen und will ihrem Kind um jeden Preis ein erfülltes Leben ermöglichen. Doch irgendwann wird Jack neugierig und die Erklärungen werden brüchig. Gemeinsam beschließen Mutter und Sohn zu fliehen. Doch draußen wartet auf sie etwas ebenso unbekanntes wie furchteinflößendes: die reale Welt.

Regie: Lenny Abrahamson

Analyse: Ich bin immer sehr gespannt auf kleinere Produktionen, mit wenigen bekannten Namen, erst recht, wenn der Film dann noch mehrfach für einen Oscar® nominiert wird, aber dazu später mehr. Der eher unbekannte Regisseur Lenny Abrahamson (Frank, Garage) hat mit „Raum“ den weltweiten Bestseller ‚Room‘ von Emma Donoghue auf die grosse Leinwand gebracht. Donoghue hat das Drehbuch auch gleich selbst geschrieben und somit wird der Film wohl auch nahe an dem Roman angelehnt sein. Ich kann das leider nicht beurteilen, da ich das Buch noch nicht gelesen habe. Die Geschichte wurde angelehnt an den Fall Josef Fritzl, der über 24 Jahre lang seine Tochter in seinem Keller gefangen hielt und mit ihr sieben Kinder zeugte. Donoghue setzte sich danach lange mit damit auseinander und herausgekommen war schliesslich der Roman „Raum“. Abrahamson schafft es in dem Film eine beklemmende Stimmung herrschen zu lassen, durch die Inszenierung der Schauspieler in vielen Szenen werden Joy und ihr Sohn Jack aber schnell sympatisch und man versucht sich in ihre Situation hineinzuversetzen.

Es gibt hunderte, wenn nicht sogar tausende Kriminalfilme und unzählige Filme mit Gewaltverbrechen oder Entführung als Geschichte, „Raum“ hebt sich aber von allem ab. So schaut man nicht auf den Täter, sondern nur auf die Opfer. Was also muss in einem Kind vorgehen, wenn ihm jahrelang gesagt wird, dass es nicht mehr als diesen Raum gibt? Und wie soll es dann damit umgehen, wenn es herausfindet, dass da noch so viel mehr ist als nur diese vier Wände? Und wie geht der Verstand damit um, alles, was er gelernt hat, zu ändern oder zu vergessen? Genau damit muss sich Jacob Tremblay (Extraterrestrial, Before I Wake, Die Schlümpfe 2) auseinandersetzen, der den 5-jährigen Jack spielt. Für einen so jungen Schauspieler macht er seinen Job erschreckend gut und steht den erwachsenen Schauspielern in nichts nach. Joy, Jacks Mutter, oder Ma, wie Jack Sie in dem Film nennt, wird von Brie Larson verkörpert. Für ihre aussergewöhnliche Rolle der Joy und ihre überzeugende, fesselnde Art eine entführte, missbrauchte und kaputte junge Frau, aber auch eine liebende und sorgende Mutter zu spielen, wurde Larson absolut zurecht 2016 mit einem Oscar® für die beste Hauptrolle ausgezeichnet. Sie hatte sich selbst sogar einen Monat vor Drehbeginn von der Aussenwelt abgeschottet, um sich etwas in die Lage der Mutter hineinzuversetzen. „Raum“ wurde ausserdem auch noch 2016 für einen Oscar® in den Kategorien Bester Film, Bestes adaptiertes Drehbuch und Beste Regie nominiert, hatte gegen die anderen Filme im Rennen aber das Nachsehen.

Ich hatte, bevor ich ins Kino ging, Angst, dass der Film langweilig werden könnte. Was kann schon während knapp 120 Minuten in einem Raum passieren? Aber „Raum“ endet nicht mit der Flucht von Mutter und Sohn, sondern geht mit seinen Erzählungen viel weiter und lässt so den Zuschauer teilhaben an einem Nervenaufreibenden Leben nach so einer Entführung, welches geprägt ist von Medienrummel, Selbstzweifel, Anschuldigungen und Angst.

Fazit: Oscar®-Preisträgerin Brie Larson zieht den Zuschauer in einen Bann aus Hoffnung, Angst und Verzweiflung. Ein packendes Drama um ein Entführungsopfer und dessen eigene, isolierte Welt.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

FSK: Ab 12 Jahren freigegeben.

Trailer:

© Bild und Trailer: Universal Pictures

Der Geilste Tag

Der Geilste Tag

KomödieDrama von 2016 aus dem Hause der Warner Bros. Pictures.

Der Geilste Tag

Story: Eigentlich sind der ebenso schrullige wie ambitionierte Pianist Andi (Matthias Schweighöfer) und der Lebenskünstler Benno (Florian David Fitz) grundverschieden, eine gemeinsame Sache haben sie aber: Die beiden sind todkrank und warten im Hospiz auf ihr baldiges Ableben. Doch möchten sie ihre letzten Tage nur ungern damit verbringen, untätig in der Einrichtung auf ihren Tod zu warten. Vielmehr wollen sie, bevor es zu spät ist, das Leben noch einmal in vollen Zügen genießen. Da sie aufgrund ihrer äußerst begrenzten Lebenserwartung keine Gefängnisstrafe mehr zu fürchten haben, begeben sie sich mit jeder Menge gestohlenem Geld auf eine abenteuerliche Reise Richtung Afrika. Auf ihrer kilometerlangen Tour lernen Andi und Benno vor allem auch einiges über sich selbst und erkennen so, wonach sie eigentlich auf der Suche sind…

Regie: Florian David Fitz

Analyse: Ich bin allgemein kein riesiger Fan von deutschen Filmen, Menschen wie Till Schweiger haben mir eben solche leider versaut. Dennoch dachte ich, ich sollte den Filmen wieder eine Chance geben. Erst recht, nachdem mich der Trailer überzeugt hatte. Der Film steigt gleich mit voller Kraft ein. Das Publikum wird in eine Mischung aus Comedy und Drama geschmissen, aus dem es nicht mehr raus kommt. Der gekonnte Wechsel zwischen Witz und Trauer hat mich von Beginn an angesprochen. Die Geschichte ist aufregend, wenn auch nicht von Grund auf neu, aber vermag es vor allem, einen komplett vollen Kinosaal zu unterhalten. Mir fehlte leider der Titel gebende „Geilste Tag“ etwas. Aber der Film schaffte es, das Publikum über das Leben und den Tod nachdenken zu lassen. Er spielt gekonnt mit der Vorstellung des Todes und wie der Tod für jemanden erscheinen muss, der weiss, dass er bald sterben wird. Das verleiht dem Film Authentizität und Ehrlichkeit. Es gibt hingegen aber auch (wenige) Stellen, die zu übertrieben wirken und in der man merkt, dass Fitz und Schweighöfer etwas zu viel wollten.

Matthias Schweighöfer (Vaterfreuden, Der Nanny, Keinohrhase) wächst einem als an Lungenfibrose erkrankter Andi zwar ans Herz, er schafft es aber auch, seinen Charakter nervend und besserwisserisch rüber zu bringen, so dass die ständigen Sticheleien von Florian David Fitz (Männerherzen, Vincent will Meer, Jesus liebt mich) als Benno irgendwie gerechtfertigt scheinen. Fitz führt nebenbei noch Regie und fungiert mit Schweighöfer ebenfalls noch als Produzent. Die beiden sind also richtige Multitalente und ergänzen sich auf der Leinwand wunderbar. Die Filmmusik ist stimmig und setzt die Stimmungen gelungen um, zu welchen auch die schönen Landschaftsaufnahmen zählen.

Fazit: „Der Geilste Tag“ schafft eine Brücke zwischen Trauer und Komik und zaubert so den Zuschauern Tränen in die Augen und ein Lächeln auf den Mund.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

FSK: Ab 12 Jahren freigegeben.

Trailer:

© Bild und Trailer: Warner Bros. Pictures