Autor: Remo Zuberbühler

Greatest Showman

Greatest Showman

2017 • Musik • Biografie • Drama • 20th Century Fox • Regie: Michael Gracey • FSK ab 6 Jahren freigegeben • Bewertung: 5 von 5 Punkten

Ein Film über einen Schausteller und Zirkusdirektor im 19. Jahrhundert? Ich muss ehrlich sein, ich habe tatsächlich sehr wenig von diesem Film erwartet, habe die Trailer nie richtig auf mich wirken lassen. Wir begleiten P.T. Barnum (Hugh Jackman) in diesem Film dabei, wie er zu einem Pionier der Zirkusketten und dem wahrhaft grössten Showman wird. Für alle die sich bis hierhin fragen: Ja, das ist ein Musicalfilm. Sprich: Die Charaktere werden anfangen zu singen. Es gibt Filme, die dies mühsam übertreiben, und dann gibt es Filme wie Greatest Showman, bei denen es einfach so sein muss. Würde nicht gesungen werden, der Film wäre nur halb so gut geworden. Ich kann an Greatest Showman wahrlich kein schlechtes Haar lassen. Der Cast ist wundervoll geworden – Hugh Jackman ist schlichtweg eine Wucht, seine Leidenschaft für diesen Film ist förmlich greifbar. Auch Zac Efron, den wir hier nach High School Musical (endlich?) wieder singen hören, schlüpft in seine Rolle als hätte er nie jemand anderes dargestellt als den Erben Phillip Carlyle. Michelle Williams geht als Charity Barnum zwar etwas unter, dies tut aber der Story zum Glück nicht weh. Zendaya als Anne Wheeler ist mysteriös, unnahbar und dies gibt ihrem Charakter das gewisse Etwas. Und dann gibt es da noch Keala Settle, die als bärtige Lady erst das Publikum etwas verdutzten lässt. Als sie aber beginnt zu singen, hatte ich das gefühlt sie öffnet ihr Herz den Zuschauern. Sie wirkt so zerbrechlich und gleichzeitig so stark, es ist faszinierend wie Settle diesen Balanceakt ausführen kann.

Und dann die Kostüme. Mensch, die Kostümdesignerinnen und Maskenbildner haben atemberaubendes geschaffen. Übertroffen werden diese jedoch ganz klar von der Gruppe von Menschen, welche an diesem Film mitgewirkt hat: Den Songwriterinnen und Komponisten. Ich habe in letzter Zeit selten einen Film erlebt, der so von der Musik lebt, wie es „The Greatest Showman“ tut. Nahezu jeder Song sprudelt nur so vor Zuversicht und positiver Energie. Es ist beeindruckend, wie ein Soundtrack schon fast jeden einzelnen Zuschauer nach nur wenigen Takten zum mit wippen und mit Lippen-bewegen hinreisst. Der Song „This is me“, welcher Keala Settles bärtige Lady nochmals in den Fokus rückt, ist dabei ganz klar das Aushängeschild des Films, und dies absolut zurecht. Hollywood hat endlich wieder einmal eine originale Story, über die ich euch, wie mir gerade auffällt, gar nicht so viel gesagt habe. Aber nach meiner Kritik hier sollter ihr euch den Film nun ansehen, und dann erfahrt ihr die Geschichte ja sowieso. Also, geht ins Kino, lasst euch beeindrucken und macht euch schon mal bereit, nach dem Film nach dem Soundtrack zu suchen.

Trailer:

© Bild & Trailer: 20th Century Fox

Coco – Lebendiger als das Leben!

Coco – Lebendiger als das Leben!

2017 • Animation • Familie • Abenteuer • Komödie • Fantasy •  Walt Disney Pixar Animation Studios • Lee Unkrich und Adrian Molina • FSK ab 0 Jahren freigegeben • Bewertung: 5 von 5 Punkten

Miguel ist in einer Familie gross geworden, die Musik nicht nur hasst, sondern abgrundtief verabscheut. Die Titelgebende Coco ist Miguels Urgrossmutter – deren Mutter Imelda hatte der Musik abgeschworen, nachdem ihr Mann sie und Coco verlassen hatte und mit Musik Karriere machen wollte. Aber Miguel kann dies nicht verstehen, er hat Rythmus im Blut und Musik ist seine Leidenschaft. Er muss dies vor seiner gesamten Familie geheim halten, vorallem vor seiner Grossmutter, der die Geschichte ihrer Familie äusserst wichtig ist. Pixar bringt mit „Coco“ die Tradition des mexikanischen Día de Muertos – dem Tag der Toten – auf die grosse Kinoleinwand. Ich muss zugeben, ich war skeptisch beim Anblick der Geschichte, dass ein Kinderfilm sich mit Leben und Tod auseinandersetzen will. Rückblickend kann ich nun sagen, es war wohl eine der besten Ideen der letzten paar Jahre. Als Miguel unbedingt seinen Traum verwirklichen will Musiker zu werden und dabei in die Welt der Toten grät, bauen Regisseure Lee Unkrich (Arlo & Spot | Findet Nemo | Die Monster AG) und Adrian Molina eine Umgebung auf, die absolut atemberaubend ist. Die Toten leben in ihrere eigenen Welt und können einmal im Jahr zum Tag der Toten (31. Oktober bis 02. November) über eine Brücke auf die echte Welt zurückkehren. Voraussetzung dafür ist, dass jemand ein Bild von ihnen auf ihre „Ofrenda“ stellt, einer Art Altar, der mit Blumen, Essen und Gaben für die Toten geschmückt wird. Damit Miguel wieder zurück in die echte Welt kann, braucht er den Segen eines Mitglieds seiner Familie, um diesen zu holen, geht er mit Hector einen Deal ein, dass er Hectors Foto auf seine Ofrenda stellen wird, damit er über die Brücke gehen kann. Dem Animationsteam von Pixar ist eine optisch wundervolle Arbeit gelungen, ich würde fast schon sagen ein kleines Meisterwerk. Ich kann beim besten Willen kein schlechtes Wort über diesen Film verlieren. Der immer wieder kleine aber feine Humor, die Geschichte von A bis Z, ich bin in den knapp 105 Minuten komplett eingetaucht und konnte vollends in dieser kleinen Welt in Mexiko aufgehen. Ein Animationsfilm, der tatsächlich Werte vermittelt, die Gesellschaftskritisch sind. Wie wir mit dem Tod umgehen und wie unsere Vergangenheit und unsere Vorfahren in Vergessenheit geraten. „Coco“ hat mich zu Tränen gerührt und wird ganz klar einen festen Platz unter meinen Lieblingsfilmen finden.

Einzig etwas speziell war der „Kurzfilm“, welcher den Namen eigentlich nicht verdient hat, von „Die Eiskönigin – Olaf taut auf“, den es als Vorschau gibt. Versteht mich nicht falsch, ich mag Die Eiskönigin sehr, und der Film ist auch echt süss, Aber die Musik wirkte etwas aufgedrängt, als ob Pixar unbedingt etwas bringen müsse. Zudem sind die gut 22 Minuten schlichtweg zu lang. Disney hat in den USA bereits Konsequenzen gezogen und streicht den Kurzfilm. Wann und ob dies auch in Europa so sein wird, ist nicht bekannt.

Trailer:

© Bild & Trailer: Walt Disney Pixar Animation Studios

ES

ES

2017 • HorrorThrillerDrama • Warner Bros. Pictures • Regie: Andy Muschietti • FSK: Ab 16 Jahren freigegeben • Bewertung: 4,5 von 5 Punkten

Die Verfilmung eines Stephen King Romans an sich ist schon eine Herkulesaufgabe (siehe Der Dunkle Turm), wenn es sich aber dann noch um die Neuauflage eines Filmklassikers der 90er Jahre handelt, wird die Herausforderung für viele praktisch als unmöglich angesehen. Ich muss vorweg nehmen, ich habe den Originalfilm leider nicht gesehen. Ich kenne aber die Geschichte. Ein dämonischer Clown entführt Kinder um sie zu fressen und von ihnen zu leben. Alles was der Clown erschafft, um so einladend wie möglich zu erscheinen, können nur die Kinder sehen, die Eltern glauben ihnen die abenteuerlichen Geschichten nicht und daraufhin entscheiden sich diese, ihr Schicksal selbst in die Hand zunehmen. Ich habe mir eigentlich nicht viel von diesem Film erwartet (mehrheitlich, um nicht enttäuscht zu werden), und wurde wirklich sehr positiv überrascht. Ja, Andy Muschietti (Mama) hat ganze Arbeit geleistet. Die gesamte Atmosphäre des Films ist  absolut düster, die paar Witze und Gags, welche hie und da gestreut werden, lockern zwar die Stimmung etwas auf, nur um gleich danach nur noch schockierender zu werden, wirklich überwältigend. Man hat in jeder Minute das Gefühl, das gleich irgendetwas schlimmes passiert. Dazu beigetragen haben natürlich auch die Schauspieler, welche, ausser Bill Skarsgård als Pennywise der Clown, alle zwischen 15 und 17 Jahre alt sind. Nicht weil es für Kinder und Jugendliche sonst schon schwer genug ist, in einem Horrorfilm mitzuspielen, aber die Aufgabe dann auch noch so gut zu tun wie die Protagonisten Jaeden Lieberher als Bill, Finn Wolfhard als Richie, Sophia Lillis als Beverly, Wyatt Oleff als Stan, Jeremy Ray Taylor  als Ben, Chosen Jacobs als Mike, Jack Dylan Grazer als Eddie und Nicholas Hamilton als Henry, das hat mich total entzückt. Ich kann an keiner Rolle ein schlechtes Haar lassen, alle wirken authentisch und überzeugend, sowohl Mimik als auch Gestik der Schauspieler stimmen auf den Punkt, das ist bemerkenswert für ihr Alter. Hier muss man auch den Verantwortlichen für das Casting ein Kränzchen winden, sie haben einen grandiosen Job gemacht. Auch optisch vermag der Film zu erstaunen, so ist sowohl Makeup und auch Kostümdesign bemerkenswert, die CGI spielt aber eine ebenso grosse Rolle, Das Studio Warner Bros. hat da zum Glück offenbar nicht gespart. ES überzeugt mit Kings Kultgeschichte, welche auch Sozialkritische Aspekte anspricht, nahezu auf der gesamten Linie. Ein Gruselspass, nicht nur für Liebhaber des Klassikers, sondern auch für Nichtkenner des Originals.

Trailer:

© Bild & Trailer: Warner Bros. Pictures

Geostorm

Geostorm

2017 • Science-Fiction • Action • Thriller • Warner Bros. Studios • Regie: Dean Devlin • FSK: Ab 12 Jahren freigegeben • Bewertung: 2,5 von 5 Punkten

Als ich den Namen Geostorm erstmals gelesen und den Trailer gesehen hatte, dachte ich, die Produzenten dieses Films mussten wohl grosse Fans von „The Day After Tomorrow“ sein. Nun, die Geschichte ist zwar nicht wirklich originell, auf Grund der heutigen Möglichkeiten mit CGI hatte ich mir aber doch ein bisschen etwas von diesem Film erhofft. Die Story hängt daran dass die Unwetter und somit die Gefahr auf der Erde immer mehr zunehmen. Die Menschheit will dem irgendwie entgegentreten und so schliessen sich 17 Nationen zusammen, um ein System zu entwickeln, welches Unwetter vorhersehen und neutralisieren kann. Die Lebensqualität auf der Erde wird so deutlich erhöht und die Menschen haben endlich einmal zusammengespannt und etwas grossartiges erschaffen. Nun scheint dieses System aber Fehlfunktionen zu haben, welche mehreren tausend Menschen das Leben kostet, worauf hin Jake (Gerard Butler) zur ISS fliegt, um dem Ganzen nachzugehen. Leider scheint man aber bei diesem Film nicht genau zu wissen, auf was man den Fokus legen soll. Vom Geostorm und seinen Vorläufern sieht man leider nur sehr wenig, das lässt mich etwas am Titel zweifeln. Und so wechselt man immer wieder zwischen vielen Ortschaften hin und her. Mal Cape Canaveral, mal die ISS, mal Florida, dann Hong  Kong und viele mehr. Es hätte dem Zuschauer gut getan, wenn man sich einfach mal auf zwei Standorte fixiert hätte. Denn so ist es unmöglich eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen, welche hier vorkommen. Ehrlich gesagt, kann ich mich nicht mal wirklich an die Namen erinnern. Gerard Butler war als einziger Schauspieler verlässlich, aber auch er kommt nicht über eine durchschnittliche Leistung weg. Jim Sturgess spielt Jakes Bruder Max, Abbie Cornish Max‘ Partnerin Sarah Wilson, Ed Harris verkörpert Leonard Dekkom, Alexandra Maria Lara die deutsche Wissenschaftlerin Ute Fassbinder. Allesamt schaffen es nicht, mir die Person glaubhaft zu spielen und so wirkt alles zu aufgesetzt. Zu Alexandra Maria Lara muss ich hier noch was loswerden. Ich weiss nicht, ob die Synchronsprecherin hier absichtlich eine extreme Hochdeutsche Stimme verleihen wollte da die Rolle eine Deutsche in einem Amerikanischen Film ist, aber es war alles andere als natürlich, schon eher ablenkend und verwirrend. Die eher miese schauspielerische Leistung von Lara macht das leider auch nicht mehr weg. Sie wirkt abwesend, kalt und unnahbar. Zu all diesen Negativpunkten kommt dann noch die CGI, welche im groben Durchschnitt der gut 110 Minuten einfach nur mittelmässig war. Es gab zwar einige optisch sehr beeindruckende Effekte, aber gleich danach kam dann wieder etwas was aussah wie von einem 3-jährigen gezeichnet. Für einen „Blockbuster“ alles andere als befriedigend. Abschliessend gilt es zu sagen, dass Geostorm ein Sci-Fi Film ist, der leider gegenüber den Trash-Katastrophen-Filmen auf RTL 2 nur ein wenig Vorsprung hat. Er vermag zu unterhalten, aber nicht mitzureissen.

Trailer:

© Bild & Trailer: Warner Bros. Pictures

Der Dunkle Turm

Der Dunkle Turm

2017 • Horror • Science-Fiction • Action • Western • Fantasy • Sony Pictures Entertainment Group • Regie: Nikolaj Arcel • Bewertung: 3 von 5 Punkten

Aus Bestseller-Author und Horror-König Stephen Kings achtteiliger Fantasy-Saga „Der Dunkle Turm“ wurde nun ein Film produziert und dies mit positiven und negativen Folgen. Kings Reihe dreht sich um einen dunklen Turm, welcher verschiedene Welten und Zeiten zusammenhält und vor der Dunkelheit, welche immer mehr das Universum in sich aufnimmt, beschützt. Es scheint auf einen ewigen Kampf von Gut gegen Böse hinauszulaufen, wobei mit Matthew McConaughey (Dallas Buyers Club | Interstellar) als Mann in Schwarz und Idris Elba (Star Trek Beyond | Pacific Rim) als Revolvermann Roland meiner Meinung nach gute Darsteller gefunden wurden. Auch Newcomer Tom Taylor zeigt sich als Teenager Jake Chambers als eine solide Wahl. Das Problem des Films ist mehr, dass er keinen roten Faden besitzt. Man wechselt so schnell zwischen Handlungsorten und Charakteren, welche man alle noch nicht kennt, hin und her, so dass man keine Zeit hat, sich zurecht zu finden und zu orientieren. Dies macht die Story sehr schwierig und das schwächt den Film leider sehr ab. Regisseur und Drehbuchautor Nikolaj Arcel versuchte hier zu sehr, viel Geschichte auf unter 100 Minuten zu drücken. Sprich, eine Buchreihe, die mittlerweile acht Teile beinhaltet, kann man nicht in einen Film reinquetschen. Also man kann, aber dann passiert, was mir und vielen anderen Zuschauern geschehen ist, nämlich dass man sich in einer bestehenden Welt vorfindet, die zwar interessant wirkt, aber zu fremd ist. Es fehlen viele Hintergrundinformationen zu Geschehnissen, Charakteren und vielem mehr. So geht die Geschichte leider nicht gross auf die Protagonisten ein, was sie kalt und unnahbar wirken lässt. Wie man es von einem Horror-Science-Fiction Spektakel im heutigen Kino gewohnt ist, ist der Film aber optisch eine Augenweide und die Effekte wirken realistisch und sind gut animiert. ‚Der Dunkle Turm‘ ist einer der wenigen Filmen der letzten Jahre, bei dem ich mir eine Aufteilung und Fortsetzung der Geschichte gewünscht hätte, das wäre der Story deutlich zu gute gekommen und hätte den Zuschauern mehr Zeit gegeben, sich in den verschiedenen Welten zurecht zu finden.

Trailer:

© Bild & Trailer: Sony Pictures Entertainment Group

Emoji – Der Film

Emoji – Der Film

2017 • Animation • Abenteuer • Komödie • Familie • Sony Pictures Entertainment Group • Regie: Anthony Leondis • FSK: Ab 0 Jahren freigegeben • Bewertung: 1,5 von 5 Punkten

Ein Film über Emojis. Ja, ihr lest richtig, ich habe mir „Emoji – Der Film“ angesehen und ich habe selbst Mitleid mit mir. Aber wir fangen mal etwas objektiver an. Hollywood macht sich mittlerweile daran, alles, aber auch alles zu Geld machen zu wollen, heute noch mehr als vor ein paar Jahren. Die nächste grosse Idee: Ein Film, in dem das Emoji Gene (dt. Stimme: Tim Oliver Schultz) sein bestimmtes Aussehen nicht annehmen kann und von der Chefin der Emojis, Smiler (Dt. Stimme: Anja Kling) , verstossen wird und sich seinen Platz in der Welt des Smartphones sucht. Er trifft auf High Five (dt. Stimme: Christoph Maria Herbst), der aus den Favoriten-Emojis rausgeflogen ist und macht sich mit ihm auf die Suche nach Jailbreak (dt. Stimme: Joyce Ilg), um sich umprogrammieren zu lassen, damit er seine Aufgabe als „Meh“-Emoji voll und ganz einnehmen kann. Randnotiz: Ich empfinde das Emoji weniger als „Meh“, als als „Ugh“, weshalb ich die ersten 30 Minuten des Films damit verbracht habe mir zu überlegen, welches Emoji mit „Meh“ eigentlich gemeint werden soll. Es ist leider, egal wie objektiv ich darauf schaue, nicht wirklich eine tolle Story. Gut, die Animationen sind optisch ansprechend gelungen, aber das war es dann auch schon so ziemlich mit dem Lob. Die Geschichte ergibt von Anfang an leider keinen Sinn, und es wird von Minute zu Minute schlimmer. Während den knapp 90 Minuten konnte ich ganze 15 Mal lächeln, 3 Mal sogar kichern. Korrekt, ich habe tatsächlich mitgezählt. Aber wisst ihr, was das traurige ist? Der gesamte Kinosaal, welcher hauptsächlich von Familien mit Kindern gefüllt war, reagierte ziemlich ähnlich wie ich. So wirklich zum Lachen gebracht hat keiner der Gags jemanden, und nach einer gewissen Zeit sassen alle Zuschauer irgendwie abwesend und gelangweilt in ihren Sitzen. Das Problem? Niemand konnte mit den Charakteren und der Story so richtig etwas anfangen, wie sollten sie auch? Es geht hier ja schliesslich um Emojis und die altbackene Geschichte um jemanden, der sich nicht zugehörig fühlt und seinen Platz in der Welt findet.

Trailer:

© Bild & Trailer: Sony Pictures Entertainment Group

Bullyparade – Der Film

Bullyparade – Der Film

2017 • Komödie • Warner Bros. Pictures • Regie: Michael Bully Herbig • FSK: Ab 6 Jahren freigegeben • Bewertung: 3,75 von 5 Punkten

Michael Bully Herbig und seine Freunde Christian Tramitz und Rick Kavanian wollen es nochmal wissen und bringen die fast schon legendäre Sketch-Comedy-Show bullyparade auf die grosse Kinoleinwand. Mit dabei sind alle wichtigen und mittlerweile zu Kult gewordenen Figuren wie die Blutsbrüder Abahachi und Old Shatterhand, die Weltall-Crew Spucki, Captain Kork und Schrotti, das Traumpaar Sissi und Kaiser Franz mit dem Feldmarschall und vielen, vielen mehr. Nun, wie bringt man all diese verschiedenen Charaktere denn in eine Geschichte rein? Die ganz einfache Antwort: Gar nicht. Der gesamte Film wird in verschiedene kleine Geschichten unterteilt, welche alle jeweils eine eigene Story vorweisen. Wobei, von richtigen Stories kann man hier (leider) nicht reden. Als die bullyparade noch von wenigen Minuten langen Sketchen, wenn nicht sogar kürzer, geprägt wurde, waren die Handlungen darin noch relativ egal, denn mit dem Humor wurde alles erzählt und es brauchte keine grosse Story. Aber diese kleinen Filmchen hier, welche sich zusammen doch auf stolze 100 Minuten belaufen, sind, und das muss ich als grosser Fan von Bully zugeben, geschichtlicher Schwachsinn. Nun, lassen wir also diese Tatsache auf uns wirken, wird klar, mit was „Bullyparade – Der Film“ hier punkten kann – und das sind, wie bereits in der Vergangenheit, die funktionierenden Gags und zwar praktisch am Laufmeter. Klar, es ist nicht die Neuerfindung des deutschen Kino-Humors, aber er funktioniert auch nach gut 15 Jahren immer noch hervorragend, finde ich jedenfalls. Und da man als Zuschauer praktisch nur darauf wartet, die nächsten Figuren zu sehen, macht das den Film doch noch irgendwie etwas spannend. Wie bereits bei den Vorgängern „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ und „Der Schuh des Manitu“ werden Auch hier die Outtakes schon fast zu einem Teil des Films. Ich muss zugeben, ich war kurz davor meine Blase nicht mehr unter Kontrolle zu halten und war mit meinen Lachanfällen schon fast die grössere Attraktion im Kinosaal als der Film selbst. Abschliessend gibt es zu sagen, dass „Bullyparade – Der Film“ keine herausragende Komödie ist. Aber für Fans der alten Comedyshow und des typischen Bully-Humors, bietet er gute Unterhaltung.

Trailer:

© Bild & Trailer: Warner Bros. Pictures

Baby Driver

Baby Driver

2017 • Action • Krimi • Thriller • Abenteuer • Sony Pictures Entertainment Group • Regie: Edgar Wright • FSK: Ab 16 Jahren freigegeben • Bewertung: 4,25 von 5 Punkten

Sein Name ist Baby, er fährt Autos und das ziemlich schnell. In diesem simplen Satz ist eigentlich schon fast alles zu diesem Film gesagt. Wieso also erhält er von mir dennoch 4 von 5 Punkten? Nun, Ansel Elgort, welcher hier Baby verkörpert, mochte ich schon in Das Schicksal ist ein mieser Verräter sehr. Er mag zwar nicht ein Schauspieler sein, der viele verschiedene Gesichtsausdrücke zeigen kann, aber hier passt es wie die Faust aufs Auge, dass er immer etwas abwesend wirkt. Er ist in diesem Film ganz klar das Aushängeschild, der mit seiner Coolness während den Autofahrten glänzt. Baby ist der Fluchtauto-Fahrer der aktuellen Einbruchserie und wenn man ihm nur kurz zuschaut, weiss man auch direkt wieso. Mit einer Selbstverständlichkeit schafft er es, das Auto um die engste Kurve zu bewegen und der Polizei mit Leichtigkeit zu entkommen. Wie viel Geld die Räuber dabei erbeuten, oder wer dabei zu schaden kommt, das ist ihm eigentlich ziemlich egal. Die anderen Schauspieler sind zwar präsent, wie z.B. Kevin Spacey, Lily James oder Jamie Foxx, aber mehr über ihre Charaktere erfahren wir leider nicht, da ist alles viel zu oberflächlich. Edgar Wright, der bereits bei ‚Shaun of the Dead‘ und ‚Scott Pilgrimm gegen den Rest der Welt‘ für Regie und Drehbuch verantwortlich war, inszeniert mit Baby Driver einen rasanten Thriller mit einem gewissen Extra. Musikkomponist Steven Price, der bereits für Suicide Squad, Herz aus Stahl – Fury und Gravity die Musik beisteuerte, gilt hier ein ganz besonderes Augenmerk, oder besser gesagt Ohrenmerk. Denn was Price hier mit dem Filmsoundtrack und grossen Welthits anstellt ist echt bemerkenswert. Sie sind nicht nur Hintergrundmusik, nein, sie sind Teil des Filmes und werden so auf spektakuläre Weise in jede Szene mit integriert, das gibt dem ganzen noch etwas mehr Dynamik. Einige Verfolgungsjagden haben mich leider etwas an Fast & Furious erinnert, weshalb es nicht noch mehr Punkte gab. Trotz der eher flachen Story gab es einige sehr interessante Wendungen und ich fühlte mich durch die vollen 113 Minuten bestens unterhalten. Meiner Meinung nach ein echt packender Thriller.

Trailer:

© Bild & Trailer: Sony Pictures Entertainment Group

Dunkirk

Dunkirk

2017 • Drama • Action • Krieg • Historie • Warner Bros. Pictures • Regie: Christopher Nolan • FSK: Ab 12 Jahren freigegeben •  Bewertung: 4,75 von 5 Punkten

400’000 Armeeangehörige der Alliierten sitzen während dem zweiten Weltkrieg in der französischen Hafenstadt Dünkirchen fest, umzingelt von der deutschen Armee warten sie auf die Evakuierung durch Schiffe aus Grossbritannien. Hier seht ihr – wieder einmal – bereits die inkonsequenz der Namensgebung solcher Filme. Während auf französisch der Film mit „Dunkerque“ den original Namen der Hafenstadt bekommen hat, welche auf Englisch „Dunkirk“ heisst, verstehe ich nicht, wieso man ihn im deutschsprachigen Raum nicht „Dünkirchen“ nennt, dies würde deutlich mehr Sinn ergeben. Aber genug davon. Christopher Nolan, Regisseur der „The Dark Knight“-Trilogie, Interstellar und Inception, inszeniert mit ‚Dunkirk‘ ein packendes Kriegsdrama. Die Zuschauer begleiten verschiedene Orte, Soldaten und Zivilisten, welche bei der Schlacht um Dünkirchen irgendwie mitwirkten. Nolan verzichtet in dieser Historie auf die aktuell grössten Namen Hollywoods, dies ist aber definitiv kein Negativpunkt. Die Darsteller wie Fionn Whitehead, Mark Rylance, Kenneth Branagh, Tom Hardy oder – zu meiner Verwunderung – auch Ex-One Direction Star Harry Styles zeigen absolute Höchstleistungen in Mimik und Gestik. Viele Unterhaltungen zwischen den Charakteren gibt es in diesem Film jedoch nicht wirklich, braucht es aber auch nicht. Denn die düstere und absolut beklemmende Stimmung werden alleine schon durch die Musik des Hollywood-Stars Hans Zimmer und die Ohrenbetäubenden Schüsse, Raketen und Bomben eindrücklich aufrechterhalten, sodass ich nicht ein einziges Mal das Gefühl hatte im Kino zu sitzen und dies ist meiner Meinung nach eines der wichtigsten Gefühle, wenn man ins Kino geht. Dunkirk braucht nicht unmengen an Kunstblut oder explizite Gewaltdarstellung, wie man es sich von anderen Kriegsfilmen gewohnt ist. Damit kann auf eine FSK-16 Freigabe verzichtet werden und der Film auf FSK-12 gebracht werden. Dies ist nicht – wie von einigen Kritikern angedeutet – ein Negativpunkt, sondern für mich ein klarer Pluspunkt. So sieht man, dass der zweite Weltkrieg zwar blutig war, aber es um viel mehr ging. Die Männer kehrten nicht nur mit blutenden Wunden zurück, sondern auch mit Traumas, und grossen psychischen Problemen.

Trailer:

© Bild & Trailer: Warner Bros. Pictures